Sensorischer Overload

Overload / Überladung / Reizüberflutung 1415_519914651452932_4821142668684272715_n

Eine Reizüberflutung sensorischer Art  ist etwas, was jede Person empfindet, die einer Flut an Reizen ausgesetzt wird. Sobald die Reizmenge,  Reizstärke und die Reizdauer eine entsprechende Größe erreicht hat, wird sie von der Person als belastend und störend empfunden. Die empfundene Überlastung ist immer ein subjektives Gefühl und variiert in Abhängigkeit bestimmter Faktoren. A) Diese Empfindung ist Abhängig von der Empfindlichkeit der jeweiligen Sinnesrezeptoren. (Bei den Geschmacksrezeptoren zB. kommt es auf die Menge der Papillen auf der Zunge an. Wenn wenig Papillen für das Erkennen von salziger Nahrung vorhanden sind, salzen die Personen ihre Speisen natürlich deutlich stärker) B) Die Empfindung ist ebenfalls Abhängig von der Wahrnehmung bzw. der Filterfunktion des Gehirns. Zu unterscheiden ist nämlich, ob ein Reiz über die Sinne aufgenommen wurde, von dem Reiz der auch wahrgenommen wird. Sämtliche aufgenommen sensorischen Reize werden über Sinnesrezeptoren zunächst über den Thalamus ( Tor des Bewusstseins) aufgenommen und dort nach Priorität sortiert. Nur ein Teil wird dann entsprechend bewusst wahr genommen und weiterverarbeitet. Unwichtige und unbedeutende Reize werden von diesem Filtersystem gleich vorsortiert – lenden nicht ins Bewusstsein, obwohl sie uns erreicht haben. Diese benötigen somit auch keine weitere Gedankenleistung – das erlaubt dem Gehirn, die Energien und Ressourcen ökonomisch zu verwalten. Ein gut funktionierendes Filtersystem ist dadurch in der Lage, die Person vor Überlastung zu schützen, indem es sämtliche aufgenommenen Reize in Prioritäten ordnet und entscheidet, ob und welche Reize dann bewusst werden. Die Reizaufnahme – Reizverarbeitungszeit – Reizweiterleitung ist dann weitgehend optimal. Das ist eine Voraussetzung für ein optimales Reagieren, Interagieren und Kommunizieren auf bzw. mit dem Umfeld und der Umwelt. Das System ist Überlastet, wenn die Reizschwelle dauerhaft hoch ist und / oder der Reizfilter nicht funktioniert. Wenn A und B Faktoren sich ungünstig zusammenwirkend verhalten. Das ist der Fall, wenn Personen zum Einen einen unzureichenden Filter haben – sodass deutlich mehr Reize als notwendig ins Bewusstsein dringen –  und zum Anderen eine besonders hohe sensorische Sensibilität haben – also einzelne Sinneswahrnehmungen besonders ausgeprägt empfindlich reagieren. Das kann ein oder mehrere Sinne betreffen:

  • Sensible Fasern des senso/motorisches Nervensystems= nehmen Reize aus der Umwelt auf visuell – Zapfen und Stäbchen auf der Netzhaut – bündeln sich zum Sehnerv N.optikus akustisch- Haarzellen im Innenohr – bündeln sich zum Hörnerv N. akustikus olfaktorisch- Riechzellen der Nase – ziehen als Riechzellen durch das Siebbein N. olfactorius taktil- Druck und Wärme und Nozirezeptoren der Haut, ziehen zu den Hinterhörnern des Rückenmarks / Hinterstangbahn
  • Sensible Fasern des vegetative Nervensystem= nehmen Reize aus dem inneren Millieau auf Wahrnehmung von Hunger und Durst / Sättigungsgefühl Wahrnehmung von Müdigkeit Wahrnehmung von Körperfunktionen/ Blase-Darm Wahrnehmung der Grundbedürfnisse allgemein etc….

Bei Menschen mit Autismus oder auch bei einigen Menschen mit ADHS, findet man häufiger eine Filterschwäche für aufgenommene Reize, Bei Autismus besteht oft eine zusätzliche Hypersensorik der Sinneszellen für einzelne oder mehrere Reize. ( das mag bei ADHS ebenso häufiger vorkommen, darüber habe ich keine direkte Info -vermute aber auch Gemeinsamkeiten, bzw. Vermischungen dieser beiden genetischen Störungsbilder) Gleichzeitig können weitere Wahrnehmungsbesonderheiten,  auch hyposensorischer Art bestehen. Beispiel: überdeutliche Empfindung von Geruch, Lärm Berührung, aber Hunger oder Durst werden kaum wahrgenommen. Das hat eine völlig andere Wahrnehmung und Sichtweise als Auswirkung – ein anderes Verarbeitungtempo und auch eine andere Beurteilung und Reaktion auf sich und die Umwelt. In dem Fall der Reizüberlastung / Overload, steht subjektiv für diese Person natürlich die Belastung der Reize im Vordergrund, die gerade deutlich wahrgenommen werden. Folge ist: Aktivierung der Stresshormone ( Adrenalin / Noradrenalin / Cortisol etc.) Dieser empfundene Stresspegel ist individuell und verhindert gutes Funktionieren und Reagieren der Person. Die Person möchte folglich diese Reize mindern, dem Overload entkommen, durch Rückzug oder Unterbindung der Reizquelle. Wenn diesem Bedürfnis nachgekommen werden konnte, stellt sich die Ausschüttung der Stresshormone ein. Ist das nicht möglich, wird durch Steigerung der Hormone ( vor allem durch das Adrenalin ) der Flucht – oder Angriffsimpuls hergestellt. Dieser animalische Reflex ist ohne logische Prinzipien ablaufend – zugegeben; nicht immer gesellschaftsfähig – aber das hat uns Menschen überhaupt das Überleben gesichert.

  • Die Zunahme der Stresshormone steigert den Bewegungsdrang – Personen werden unruhig, fahrig – laufen hin und her -schaukeln vor und zurück – wedeln mit den Armen um die Dysregulation wieder auszugleichen.
  • Gesteigerter Rededrang – Monologe – Wiederholungen – werden eingesetzt. Das gaukelt dem gestressten Hirn Gleichmäßigkeit und Sicherheit vor. Dadurch lässt es sich evntl etwas beruhigen, die Flucht / den Angriff verzögern.
  • Durch die Stresshormone werden Grundumsatz aller Zellen gesteigert ( Verbrennung und Verbrauch läuft auf Hochtouren – Zucker Fett und Eiweiß – Speicher werden geleert, je länger und je öfter diese Zustände vorkommen.
  • Gleichzeitig erhöhen sich diese Stresshormone dadurch, dass die Meldung von Hunger und Durst nicht erfolgreich war – Das Gehirn empfängt Signale der Bedrohlichkeit…durch Mediatoren, die frei werden bei Mangelversorgung der Zellen oder deren Untergang. Also erhöht das Gehirn den Fokus auf Reizaufnahme um die Achtsamkeit zu erhöhen – also die Bewusstwerdung des aufgenommenen Signals …”Nahrungsaufnahme”!
  • was wiederum die bewusste Reizaufnahme aller Sinne steigert…
  • …diese Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit….

Sensorische Überlastung / sensorischer Overload entsteht also durch große Reizmenge und Reizdauer analog zur unökonomischen Verarbeitungsfunktion des Gehirns.

Bei Menschen mit Autismus aufgrund ihrer Wahrnehmungsbesonderheit, ist der Overload darum ein ständiger Begleiter.

Personen mit hochfunktionalem Autismus und entsprechender Anpassung, verbergen weitgehend diese Anzeichen der Überlastung. Er wird in dieser Phase fast ausschließlich subjektiv empfunden – die Außenwelt nimmt das nicht wahr – die Belastungsgrenzen werden oft bis zum Ende ausgeschöpft – der Organismus steht somit unter regelmäßigem Dauerstress Folgen sind langfristig betrachtet: erschöpfte Ressourcen, Leistungsminderung, psychosomatische Störungen, psychische Veränderungen, Komorbidität Folgen sind kurzfristig betrachtet: Übergang vom “unauffälligem” Overload zu Meltdown und / oder Shutdown dazu später mehr… hierzu auch: http://innerwelt.wordpress.com//?s=overload

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s