Zum Welt-Autismus-Tag ein offener Brief von uns…an Euch

offener Brief zum Welt Autismus Tag

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2 Gedanken zu “Zum Welt-Autismus-Tag ein offener Brief von uns…an Euch

  1. Es ist nicht einfach, die richtigen Worte zu treffen. Welche Worte klingen zu fordernd, welche bagatellisierend, um unser berechtigtes Anliegen in der Öffentlichkeit zu vertreten? Dürfen wir fordern oder sollten wir Wünsche äußern. Sollten wir bitten oder hört man uns dann zu leise?

    Am Abend unserer gemeinsamen Briefaktion, beschlossen Andrea Bröker und ich darum unsere erste Version des Briefes ebenfalls weiter zuschreiben. Sie enthält die selbe Bitte, den selben Wunsch. Wir glaubten es könne nicht schaden, die eine odere andere Erklärung hinzuzufügen. Wir glaubten es könne höflich und vernünftig wirken, das ein oder andere Anliegen zusätzlich noch einmal in Form einer Bitte zu äußern.

    Andrea Bröker, Autistin – Web: http://www.polygonos.net

    Offener Brief zum Welt Autismus Tag am 02.04.2013 an alle Mitmenschen von A. Bröker und R. Winkelmann

    Seit einigen Monaten tauchen immer wieder die Begriffe „Autismus“ oder „autistisch sein“ in einem völlig falschen Kontext in den Medien auf. Da es sehr unterschiedliche Vorstellungen in der Gesellschaft über Autismus gibt, die Medien sogar häufig zu diesem oft falschen und einseitigen Denken beitragen, gibt es nach wie vor unzählige Klischees, mit denen sich autistische Menschen tagtäglich konfrontiert sehen, z. B: Autisten seien gefühllos, egoistisch, desinteressiert an ihren Mitmenschen und weitere Unwahrheiten.

    Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, nimmt es in letzter Zeit überhand, dass Politiker, Journalisten und Wirtschaftsbosse den Begriff Autismus missbrauchen, ohne darüber nachzudenken, welches negative und falsche Bild dadurch von Autismus und den davon betroffenen Menschen geprägt wird. Autismus ist laut Definition der WHO eine tiefgreifende Entwicklungsstörung und gilt als angeborene Behinderung. Es handelt sich um eine neurologische Variabilität. Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten in der Kommunikation und im sozialen Umgang mit Mitmenschen und weisen Besonderheiten bei der Wahrnehmung von Umweltreizen und in der Denkstruktur auf. Dies hat für die Betroffenen mitunter eine völlig andere Sichtweise auf die Welt und auf sich selbst zur Folge und bringt daher einige Schwierigkeiten und Besonderheiten mit sich. Der Begriff Autismus wird allerdings immer häufiger völlig zweckentfremdet verwendet, um menschliche, schlechte Eigenschaften zu beschreiben, nur weil Autismus in dem Falle als das „reißerischere“ Wort angesehen wird. Schlimmer noch, es verzerrt den Begriff und drängt der Allgemeinheit ein völlig falsches und negatives Bild auf. So wurden in der letzten Zeit durch falsche und reißerische Medienberichterstattungen Zusammenhänge konstruiert, die Autisten diskriminieren und in ein völlig falsches Licht rücken.

    Autistische Menschen sind aber weder potentielle Massenmörder noch sind sie alle hochintelligente Savants. Autisten sind ganz normale Menschen mit ein paar besonderen Eigenschaften, die für die Allgemeinheit eine Bereicherung darstellen können, sofern sich diese auf sie einlässt. Autisten sind dabei so verschieden, wie Menschen eben verschieden sind. Sie haben unterschiedliche Stärken, Schwächen, Begabungen und Interessen. Sie haben Gefühle, lieben ihre Familien und ihre Freunde. Und sie möchten geachtet und respektiert sein, wie jeder andere Mensch auch.

    Autistische Menschen leiden in der Regel nicht unter ihrem Autismus, wie man das häufig lesen kann, sondern sie leiden daran, dass ihnen die nichtautistische Welt manchmal fremd und unververständlich erscheint und man ihnen oft mit Intoleranz begegnet und ihnen Dinge unterstellt, die nicht wahr sind. Sie leiden unter solchen Angriffen. Ja, Autisten haben Gefühle, mehr als viele denken und in vielen Bereichen sogar wesentlich intensiver als alle anderen. Manche Autisten zeigen ihre Gefühle nach Außen reduzierter, als andere Menschen. Das bedeutet aber nicht, dass sie in ihrem Inneren keine Gefühle empfinden. Sie können oft auch die Gefühle anderer Menschen nicht gut lesen, wodurch der falsche Eindruck entsteht, sie seien an ihren Mitmenschen nicht interesressiert. Aber autistische Menschen sind durchaus gerne „Mitmenschen“ und interessiert an ihrem Umfeld. Sie wünschen sich, entgegen mancher Vorurteile, Freundschaften. Aber nicht immer gelingt es ihnen, dies auch passend und adäquat zum Ausdruck zu bringen. Dafür sind Autisten oft besonders loyale und treue Personen.

    Wir wünschen uns, die Berichterstattung der Medien würde dies alles sorgfältig recherchiert und richtig wiedergeben, damit die Öffentlichkeit ihre Scheu vor autistischen Menschen verliert und ihnen vorurteilsfrei begegnen kann. Auch wenn wir sie unterschiedlich wahrnehmen, so leben wir doch alle in derselben Welt und es wäre schön, wenn dies harmonischer sein könnte und die Medien ihren Teil entsprechen dazu beitragen würden. Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei allen, die unermüdlich daran arbeiten, das Behinderungbild Autismus bekannter zu machen, die die Menschen aufzuklären, in der Autismusforschung tätig sind und gedankt sei vor allem all jenen, die sorgfältig recherchieren und respektvolle und gute Berichte über Autismus und die davon betroffenen Menschen schreiben.

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  2. Es ist gut so. Es ist wichtig sich bemerkbar zu machen, hinzuweisen.
    Als das anfing hab ich als Mama eines Sohnes mit frühkindl.Autismus erst gar nicht so recht registriert was da abläuft. Es ist dann schnelll passiert. Eine Mutter einer Freundin der grossen Tochter sprach mich an: „ob bei Robert auch die Gefahr des völligen Ausflippen besteht … weisst schon, so wie bei dem Amokläufer!“
    Ich war als Mama von Robert schon oft fassungslos und teilweise überfordert was meinem Kind passiert. Schon immer und von Kindergarten an. Die Zeit ist vorbei. Aufmerksam machen, aufklären, sich sofort zu wehren, nicht mehr irgendwelche Vergleiche, Bosheiten etc. annehmen. Tun wir nicht mehr, wir bestehen nun immer sofort auf ein Gespräch, stellen klar ….
    Gut, dass Ihr den Brief geschrieben habt.
    viele Grüsse
    Elisabeth

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