verbreiteter Unsinn

Es fällt vielen Fachleuten schwer, die erforderlichen Diagnosekriterien variabel auf einen autistischen Menschen anzuwenden. Sie blicken nicht aus vier verschiedenen Richtungen auf den zu Diagnostizierenden, sondern erwarten, dass der jenige, der evntl. große Probleme zeigt, sich mittels Körpersprache, ausreichender Mimik und Gestik zu verständigen, auch eine eingeschränkte Empathiefähigkeit hat.

Wenn sogar Fachleute hartnäckig an Klischees und längst überholte Lehrmeinungen festhalten, mag man dem Laien, der sich ebenso mit einer weiterreichenden Sichtweise schwer tut, verzeihen.

Denn die meisten betrachten die Kriterien leider alle auf gleicher Ebene. Man erwartet von einem autistischen Menschen, dass er in allen vier Einzelkriterien auf selben Niveau steht.

Also entweder in allen vier Ebenen schwer oder eben etwas milder betroffen ist. Ein Autist mit Stereotypen muss also auch kommunikativ deutlich eingeschränkt sein, so der Trugschluss.

Bei einem anderen Fall wird evntl. verkannt, dass der Betroffene aufgrund der Kommunikationsproblematik seine Empathie lediglich nicht adäquat zeigen und deutlich machen kann. So wird dann schnell behauptet, er habe keinerlei Empathie.

Diese Fehlsicht und das Aberkennen der Gefühlswelt, mag für denjenigen bereits eine Tragödie sein. Das ist traurig, aber es ist leider der alltäglicher Unsinn, mit dem wir zu kämpfen haben.

Schlimmer allerdings ist nun, dass daraus direkt verallgemeinernde Missverständnisse und völlig falsche Sichtweisen entstehen; nämlich solche wie:

 „ Autisten sind  nicht in der Lage, sich in die Gefühlswelt anderer Personen einzufühlen“

Und weiter, dass diese Unfähigkeit als, bzw. „das“ typische Merkmal aller Autisten sei.

Im Umkehrschluss kommt nun dabei heraus:

„ein Mensch, der deutlich in der Lage ist, für eine andere Person angemessen Mitgefühl und Zuneigung zu empfinden, kann per Definition kein Autist sein.“

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was das größere Dilemma für uns ist.

Es wird anhaltend weiter und weiter Unsinn verbreitet, obwohl es bereits so viele gute Aufklärungsliteratur gibt. Mich würde es sehr interessieren, warum die Gesellschaft, die Medien, die allgemeine Öffentlichkeit sich an Unsinn aber so hartnäckig festhält und aus welcher Ambition dies entsteht.

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2 Gedanken zu “verbreiteter Unsinn

  1. Das größte Dilemma bleibt das hartnäckige Festhalten an den vielen längst überholten Klischees, denen sich sowohl die Medien als leider auch einige Autismus-Facheute immer wieder bedienen. Das betrifft auch die Suche nach einer Ursache für Autismus, bei der oft eigenartige, kausale Zusammenhänge hergstellt werden. Manchmal lassen mich die abenteuerlichen Vermutungen über mögliche Auslöser von Autismus allerdings auch schmunzeln. Schade ist nur, dass sich dieser Unsinn immer viel schneller verbreitet als sachlich fundierte Erkenntnisse.

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